Rückblick auf 50 Jahre INTEGRITAS - Jubiläumsveranstaltung am 20.11.2012 in Bonn

Am 20. November 2012 fand in der „La Redoute“ in Bonn-Bad Godesberg die Jubiläumsveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen von INTEGRITAS - Verein für lautere Heilmittelwerbung e.V. - statt. Mit mehr als 50 Teilnehmern war die Veranstaltung gut besucht. Als Gäste konnten Repräsentanten des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und Vertreter befreundeter Verbände begrüßt werden. Außerordentlich erfreulich war auch die zahlreiche Teilnahme von Repräsentanten der Mitgliedsfirmen und Mitgliedsverbände.

In seiner Begrüßungsansprache ging der Vorsitzende, Herr Norbert Pahne, auf einige wesentliche Eckpunkte in der Entwicklung von INTEGRITAS vom Jahr 1962 bis heute ein. Er schilderte die Situation der Arzneimittelwerbung im Gründungsjahr und skizzierte die Geschichte der Reformierung der Pflichtangaben in audiovisuellen und Printmedien. Darüber hinaus ging auf einen von Herrn Prof. Dr. Klaus Heilmann (Universitätsprofessor, Risikoforscher, Kommunikationsexperte und heute vornehmlich publizistisch tätig) gehaltenen Vortrag ein. Es ging um die Frage, ob der Satz, „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“, so überhaupt seine Berechtigung habe. Heilmann ging der Frage nach, ob es nicht sogar falsch sei, von ‚Risiken und Nebenwirkungen’ zu sprechen. Ein Arzneimittel habe eben nicht nur diese beiden Negativaspekte, die zudem durch ein ‚und’ in einen unzutreffenden Kausalzusammenhang gestellt würden. Sind die Nebenwirkungen nicht vielmehr die Risiken eines Arzneimittels? Diese Kausalität und wenig geschickte Doppelung in den Pflichtangaben sei bislang unbemerkt geblieben. Der Satz warne zudem ausschließlich vor möglichen Gefahren, lasse aber den Nutzen des Medikaments unbeachtet. Auch in der Packungsbeilage finde der Nutzen keine angemessene Bedeutung. Akzentuiert formuliert stellt die Packungsbeilage insoweit keine Produktinformation, sondern eine formalisierte Produktwarnung dar.

Ferner gab Herr Pahne einen Einblick in das aktuelle Tagesgeschäft von INTEGRITAS und machte deutlich, dass INTEGRITAS seit nunmehr 50 Jahren verlässlicher und relevanter Ansprechpartner für Mitglieder, Verbände, aber auch für die Politik und alle an der Werbung für Arzneimittel interessierte Verkehrskreise sei. Er gab dabei seiner Überzeugung Ausdruck, dass INTEGRITAS diese Rolle auch in Zukunft vorbildlich wahrnehmen werde, und dabei alle Möglichkeiten für eine effiziente und glaubwürdige Selbstkontrolle und einen nachhaltigen Dialog mit Aufsichtsbehörden und Politik ausschöpfen werde.

Im Mittelpunkt der Jubiläumsveranstaltung standen die Festvorträge der Gastredner. Herr Ministerialrat Hofmann, BMG, trug zum Thema „HWG – Im Wandel der Zeit“ vor. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen hat er viele Novellen mit erlebt und so hatte er auch die Federführung für die kürzlich vorgenommene Novellierung des Heilmittelwerbegesetzes (HWG) inne. Er ging zunächst auf Geschichte des HWG ein. Die Ursprünge der Werberegelungen für Arzneimittel reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. 1965 erfolgte die Verkündung des Stammgesetzes, welche die Polizeiverordnung über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens vom 29. September 1941 ablöste. Es handelte sich seinerzeit um ein schwieriges Gesetzgebungsverfahren. Der ursprüngliche Regierungsentwurf erfuhr im Zuge des langwierigen und z.T. von heftigen Kontroversen geprägten Gesetzgebungsverfahrens erhebliche Änderungen. Die Einzelheiten hierzu, wie auch die weitere Fortentwicklung des Gesetzes bis zum heutigen Tage wurden von Herrn Hofmann anschaulich erläutert. Einen besonderen Schwerpunkt legte er auf die Diskussionen rund um die Pflichtangaben und den bekannten Pflichtsatz in audiovisuellen und Printmedien. Mit besonderem Interesse verfolgte das Auditorium schließlich die aufschlussreichen Ausführungen von Herrn Hofmann zu den aktuellen Änderungen, die das HWG im Rahmen des „Zweiten Gesetzes zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ (sog. „16. AMG-Novelle“) erfahren hat.

Einen schillernden Akzent setzte Frau Dr. Helene Karmasin vom Wiener Institut für Motivforschung mit ihrem Festvortrag vom ‚Traum von einem perfekten Körper’. Frau Karmasin beleuchtete, welche Wünsche und Erwartungen der Verbraucher bezüglich dieses Traumes hege und mit welchen Angeboten und Werbeversprechen die Wirtschaft diese Erwartungen bediene. Sie erläuterte eingangs den ideologischen Überbau und die gesellschaftlichen Vorgaben, was schön und was hässlich ist. Die Gesellschaft ’schreibe ihre jeweiligen Leitwerte sozusagen in das Ideal eines schönen Körpers ein’. Dieses Idealbild sei zudem ein boomender Markt, der der Sehnsucht der Menschen entgegen komme. Laut Karmasin haben entsprechende angebotene Produkte aus den Sortimentsbereichen Ernährung, Kosmetik und Medizin neben einem ggf. vorhandenen funktionalen Nutzen auch eine kommunikative Funktion, die der Konsument z.T. höher bewertet, als ihre tatsächliche. In ihrer Präsentation verdeutlichte sie anhand zahlreicher Werbekampagnen und Produktbeispielen eindrücklich, wie Produktgestaltung und Vermarktungspraktiken die Verbraucherträume vom perfekten Körper bedienen oder neue Sehnsüchte hervorrufen.

In seinem Schlusswort dankte der Vorsitzende für die ausschlussreichen und zudem unterhaltsamen Festvorträge.


Vortrag Hofmann, BMG (189 KB)

21.12.2012 | Vereins-Info


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