LG Frankfurt: Omega 3 Kapseln Blutdrucksenker?

Aktenzeichen: 3-10 0 24/20, 3-08 0 72/20
Datum: 29.07.2020

INTEGRITAS ist gegen ein Nahrungsergänzungsmittel in Kapselform vorgegangen, das u.a. damit geworben hat, den Blutdruck zu normalisieren. Die insgesamt vier beanstandeten Aussagen:

1. „Omega 3 normalisiert den Blutdruck“;

2. „Zu viel Cholesterin und Triglyceride im Blut können zu Ablagerungen in den Arterien und damit zu einem erhöhten Blutdruck führen. Zahlreiche Studien zeigen, dass ungesättigte Omega-3-Fettsäuren Blutfettwerte und Blutdruck normalisieren.“;

3. „Qualität selbst beurteilen. Produkte aus dem Drogerie- oder Supermarkt sind zwar oft billig, enthalten aber zu wenig EPA und DHA. Bei einigen da-von müsste man sogar bis zu 12 Kapseln am Tag schlucken, um die richtige Menge zur Normalisierung der Blutfettwerte aufzunehmen. […] Nur wenn auf der Packung, normaler Blutdruck‘ bzw. Triglyceridspiegel‘ er-wähnt werden, können Sie davon ausgehen, ein Präparat zu bekommen, welches nachweislich Einfluss auf Blutdruck sowie Blutfettwerte (Triglyceride) hat.“;

4. „Coenzym Q10, das in jeder Zelle unseres Körpers benötigt wird, damit die Energie-Versorgung klappt.“

führten aus INTEGRITAS-Sicht dazu, dass der Durchschnitterbraucher diese krankheitsbezogen in dem Sinne versteht, dass neben dem Blutdruck auch der Cholesterinspiegel gesenkt wird.

Nachdem die abgegebene Unterlassungserklärung unzureichend war, hat INTERITAS einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gestellt. Dieser wurde damit be-gründet, dass die streitgegenständlichen Aussagen weit über den Wortlaut der in Bezug auf die Omega-3-Fettsäuren Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben hinausgingen, weshalb die Aussagen gegen die Vorgaben aus der Verordnung (EG) Nummer 1924/2006 (HCVO), vorliegend Art. 3 und 10, verstoßen und den Durchschnittsverbraucher über die Wirkungen des Lebensmittels in die Irre führten. Verstoßen werde zudem auch gegen Art. 7 LMIV sowie gegen §§ 5 und 5a UWG. Dem Antrag wurde vollumfänglich stattgegeben. Die Gegenseite hat die einstweilige Verfügung als endgültige und rechtsverbindliche Regelung an-erkannt.

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