LG Düsseldorf: Nahrungsergänzungsmittel: Bewerbung lediglich mit Beauty Claims?

Aktenzeichen: 12 0 161/20
Datum: 30.08.2021

In diesem Fall ist INTEGRITAS auf ein Nahrungsergänzungsmittel in Kapselform aufmerksam geworden, welches im Wesentlichen aus Boretschsamenöl, Leinsamenöl, Weizenkeimöl, Sägepalmenfruchtöl, Pinienrindenextrakt, Roggenblütenextrakt und Vitamin E besteht. Es wird beworben gegen Haarausfall und zur Bekämpfung lichter werdenden Haares. Etliche Aussagen wie z.B.

  • „Die Wirkung von ‚XXX‘ …
    - mehr Haarvolumen
    - weniger Haarverlust …“,

  • „XXX enthält eine einzigartige Kombination …, die das Haar von innen heraus stärken und widerstandsfähiger machen.“,

  • „Die Formel aus Leinsamenöl, Weizenkeimöl, Boretschöl, Sägepalmenfruchtöl,
    Pinienrindenextrakt und Roggenblütenextrakt stärkt auf unterschiedliche Weise die Nährstoffversorgung und Gesundheit der Haarwurzel.“,

  • „Power Kapseln für stärkeres und kräftigeres Haar“,

  • „Wird Ihr Haar dünner und schwächer? … Für deutlich mehr Volumen. Wirken von innen. Stärken und kräftigen das Haar spürbar.“,

  • „Eigenschaft: Stärkend; Effekt: volumenverstärkend, verdichtend; Anwendungsbereich: Haare“,

  • „Die hochwirksamen Kapseln schenken dem Haar mehr Volumen und Kraft. Die einzigartige Kombination aus wertvollen pflanzlichen Ölen und Extrakten trägt zur effektiven Stärkung der Haare bei – von der Wurzel bis in die Spitze.“


  • verstoßen aus Sicht von INTEGRITAS gegen die LMIV und HCVO, da es sich bei ihnen um gesundheitsbezogene Angaben, teilweise sogar mit Krankheitsbezug, handelt.

    Nachdem sowohl die Abmahnung erfolglos gewesen ist als auch sich daran anschließende außergerichtliche Einigungsgespräche gescheitert sind, hat INTEGRITAS im Juni 2020 Hauptsacheklage beim LG Düsseldorf eingereicht. Das Unternehmen, welches das Produkt bewirbt und in Verkehr bringt, vertritt auch vor Gericht nach wie vor die Auffassung, dass es sich bei dem Produkt um ein reines „Beauty Produkt“ handelt und die Aussagen nur die äußere Ästhetik der Haare betreffen. Zudem wird vorgetragen, dass Haare eigentlich keine wirkliche Körperfunktion haben, sondern eher eine soziale Funktion erfüllen.

    Diese Argumentation hat das Gericht nicht überzeugt, da es der Klage vollumfänglich stattgegeben hat. Bezüglich aller 15 eingeklagter Aussagen ist die Kammer zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich bei ihnen nicht um (bloße) beauty claims handelt, sondern um irreführende und unzulässige gesundheitsbezogene Angaben, die gegen die HCVO verstoßen und einen Unterlassungsanspruch zur Folge haben.

    Das Unternehmen hat gegen das Urteil Berufung eingelegt, über die das OLG Düsseldorf bisher noch nicht entschieden hat.

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